Logo Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)Logo Fédération Cynologique Internationale (FCI)Landseer kennel from Petersberg since 1973

Breeder:
Mr. Dr. Hans Matenaar, Träger der Goldenen Ehrennadel des VDH sowie der Goldenen Ehrennadel des VDH mit Kranz
Mrs. Christa Matenaar, ebenfalls ausgezeichnet mit der Goldenen Ehrennadel des VDH sowie der Goldenen Ehrennadel des VDH mit Kranz

Founder of the Deutscher Landseer Club (DLC) e.V. (1976) as the oldest Landseer Club in the VDH and worldwide in the FCI


Gesundheit


 

Erbkrankheiten gibt es überall, wo Lebewesen sich vermehren. Die Aufgabe des Züchters liegt darin, ihr Auftreten so gering wie möglich zu halten bzw. sie verschwinden zu lassen. Nur dann kann man von einer verantwortungsvollen Zucht sprechen.

 

  1. HÜFTGELENKSDYSPLASIE

Über viele Jahre oder besser Jahrzehnte war diese Erbkrankheit das große Problem in der Rassehundezucht. Man bezeichnete sie oft irrtümlich als Hinterhandschwäche. Aber die Schwäche lag in der verkrüppelten Hüfte; nicht im Bein. Erst meinte man, das Problem beträfe nur die großen und schweren Rassen, denn Bernhardiner und Neufundländer litten wohl am stärksten darunter. Die Situation kann man sich kaum schrecklich genug vorstellen: Zuchttiere, die diese Krankheit nicht hatten, gab es so gut wie nicht. Man züchtete also mit den Tieren, die man hatte, mit der Folge, dass viele hoffnungsvolle Welpen schon eingeschläfert werden mussten bevor sie auch nur ein Jahr alt waren, weil sie nicht mehr aufstehen konnten. Auch stellte sich bald heraus, dass so gut wie alle Rassen außer den Windhunden von dem Problem betroffen waren. Nur bei den Windhunden hatte die ständige Selektion auf Laufleistung das Vordringen des Erbübels verhindert.

Es dauerte lange bis die Tiermedizin den Züchtern hier die geeignete Hilfe gegen die Krankheit geben konnte. Diese Hilfe bestand in:

  • der Diagnose durch das Röntgen auf HD (Hüftgelenksdysplasie)
  • der Zuchtstrategie, die eine weitere Vererbung der Krankheit eindämmen und sie... schließlich ganz zum Verschwinden bringen sollte.

Es würde zu weit führen, wenn man die Bekämpfung der Krankheit in ihren einzelnen Stufen im Rahmen des Vereins hier darstellen wollte. Wir dürfen aber heute sagen, dass der Kampf gegen die HD mit Hilfe der beschriebenen Methode im Wesentlichen gewonnen werden konnte: Jeder Hund, der im Rahmen des Vereins zur Zucht kommt, muß auf HD geröngt sein. Das haben wir von Anfang an so gemacht. Und da es im Rahmen des Deutschen Neufundländer-Klubs, der die Landseer vor der Gründung des DLC betreute, auch schon so war, dürfen wir sagen, dass unsere Zuchthunde seit 1968, als das verpflichtende HD-Röntgen im DNK eingeführt wurde, lückenlos untersucht und nur entsprechend ihrem HD-Grad für die Zucht eingesetzt wurden. Das sind mittlerweile 40 Jahre, was in etwa gleichbedeutend ist mit 10 bis 12 Hundegenerationen. Diese Strategie hatte nachweislich Erfolg.

Für den DLC kann man sagen, dass heute von den im Verein gezüchteten Tieren, die eine HD-Kontrolle durchlaufen, etwa die Hälfte die Stufe A1 oder A2 oder B1 bekommen, was gleichbedeutend ist mit HD-frei (A) bzw. leichtem Verdacht(B1).

Die Hunde vom Petersberg, die heute bei uns leben, haben folgende Bewertungen:

Zinnia H VDH LZB 4071 B1
Graziella H VDH LZB 4958 A1
Hera H VDH LZB 5172 A1 ED 0

 Zinnia, unsere jüngste Hündin, soll demnächst geröngt werden.

 

  1. CYSTINURIE

Diese Krankheit der Harnblase, die für das betroffene Tier äußerst schmerzhaft verläuft und stets mit tödlichem Ausgang endet, ist ein klassisches Beispiel für das Einschleppen von Erbkrankheiten von einer Population in eine andere. Die Landseer waren ursprünglich gar nicht von diesem Problem betroffen. Es gab diese Krankheit bei ihnen nicht und bei den europäischen Neufundländern, mit denen sie ja eng verwandt sind, auch nicht.

Die Krankheit wurde auf folgende Weise eingeschleppt:

Seit etwa 1960 war eine junge Neufundländer-Züchterin in Dänemark aktiv, die bei einer Luftfahrtgesellschaft arbeitete und daher häufig nach Nordamerika flog. Sie besuchte die Schauen des amerikanischen Neufundländer Clubs und sah dort den ganz anderen Rassetyp, den man dort bevorzugte und pflegte. In den USA war der Neufundländer nach langen Jahren der völligen Vernachlässigung als reiner Ausstellungshund züchterisch neu aufgebaut worden. In Europa war diese Rasse nie ein Show-Dog gewesen, sondern immer ein repräsentativer Familienhund. Ausstellungen hatten praktisch nur für Züchter Bedeutung. In Amerika war das ganz anders. Entsprechend war auch der Stand der Zucht ein ganz anderer. Die Merkmale des äußeren Erscheinungsbilds, die auf Ausstellungen bewertet werden, waren bestechend schön herausgezüchtet. Man hatte diesen Erfolg durch Inzucht erreicht.

Inzucht ist eine zweischneidige Sache. Zuchterfolge in einem bestimmten Punkt lassen sich mit ihrer Hilfe schnell erreichen und erblich festigen. Ja. Aber die Einbußen, die man dafür in Kauf nimmt, sind oft nicht sofort zu sehen. Wenn man sie erkennt, sind sie von den erwünschten Resultaten aber nicht zu trennen. Deshalb nimmt man sie in Kauf, und so gehen sie voll in die Zucht ein. Zu diesen Einbußen gehören Erbdefekte und Erbkrankheiten, die durch die Inzucht aus ihrer verborgenen Existenz tief im Untergrund des Erbguts ans Tageslicht geholt und sichtbar gemacht worden sind.

Die besagte Züchterin aus Dänemark war so begeistert von den Neufundländern in den USA, dass sie Tiere nach Dänemark holte, um sie in den europäischen Zuchtbestand einzukreuzen. Das geschah auch mit spektakulärem Ausstellungserfolg. Plötzlich wollten alle Züchter nur noch diese amerikanischen Hunde als Zuchtpartner für ihre Tiere. Leider stellte man bald fest, dass man sich nicht nur das schöne Exterieur, sondern auch schlimme Erbkrankheiten als Beigaben eingehandelt hatte, unter anderem die Cystinurie.

Was haben die Landseer damit zu tun? 1980 fuhr ein Landseerzüchter aus der Schweiz nach Dänemark und ließ seine Hündin von einem der importierten schwarzen Neufundländerrüden aus Nordamerika decken. Gerade dieser Rüde war, wie sich später herausstellte, Erbträger für die Cystinurie. Der schweizerische Züchter behielt eine Hündin dieses Wurfs für die weitere Zucht in seinem Zwinger, und durch diese Hündin und ihre Nachkommen wurde die Erbkrankheit in der Rasse verbreitet.

Heute gibt es zum Glück einen DNA Test auf die Erbanlage für Cystinurie, den alle Landseer in der Schweiz, in Österreich und im VLD für die Zuchtzulassung absolvieren müssen. Der Deutsche Landseer Club aber lehnte die Zuchtpraxis der Rassekreuzung grundsätzlich ab, damals wie heute. Daher kamen keine Nachkommen aus dieser schweizerischen Linie in unseren Zuchtbestand. Nur deshalb haben wir das Problem bei uns nicht zum Vorteil unserer Hunde und ihrer Besitzer.

 

  1. THROMBOPATHIE oder die BLUTERKRANKHEIT

Auch dieses böse Erbübel kannten wir bei unseren Landseern nicht, bis eben durch fortgesetzte Inzucht zum Zweck von Ausstellungserfolgen die Anlage zum Vorschein kam. Wie lange und seit wann die Bluterkrankheit in der Rasse geschlummert hat, wissen wir nicht. Darüber kann es aus heutiger Sicht auch nur Vermutungen geben. Sicher ist nur, dass Bluter nicht in der Rasse aufgetreten sind, bevor der Schaden um 1990 mutwillig in Holland herbeigeführt wurde und bald danach nicht mehr einzugrenzen war.

Von Holland aus wurden Zuchthunde nach Finnland exportiert, natürlich ohne dass die Käufer eine Ahnung hatten von der bösen Überraschung, die ihnen ins Haus stand. Nicht die unmittelbaren Nachkommen der in Holland angekauften Hunde machten das Problem sichtbar, nein, erst die Generation danach, in der man die Enkel der Holländer wieder miteinander gepaart hatte, brachten das Problem an den Tag.

Man sollte meinen, die Skandinavier hätten nun sofort reinen Tisch gemacht und alle Nachkommen aus dem holländischen Zwinger, der als Verursacher feststand, für die Zucht gesperrt. Aber nein, dafür waren die Tiere ja zu schön! Also züchtete man mit den befallenen Linien weiter und verteilte die Nachzucht auch noch auf die anderen skandinavischen Länder sowie im Baltikum. Von dort kamen Ausstellungssieger auch zu uns nach Mitteleuropa zurück, die von unwissenden oder unvorsichtigen Züchtern auch prompt für die Zucht eingesetzt wurden. Es war ein wahres Danaergeschenk!

Der DLC hat mit mehr Glück als Verstand den holländischen Zwinger, der das Unglück angerichtet hat, als Zuchtpartner gemieden. Die fortgesetzte Inzucht weckte Misstrauen und der Typ, den man dort favorisierte, hatte mit dem Standard für die Rasse nicht viel zu tun. Auf diese beiden Punkte konnte die Zuchtleitung immer wieder verweisen, so dass die Züchter des DLC sich von diesen holländischen Hunden fern hielten.

Mittlerweile sind gut 10 Jahre seit dem ersten Auftreten des Problems vergangen. Seit dem Frühjahr 2007 gibt es einen DNA Test in USA, mit dem die Erbträger der Krankheit festgestellt werden können. Leider ist er teuer. Aber er schafft Gewissheit.

Fest steht, dass zwei Partner, die beide frei sind von der gefährlichen Erbanlage, nur Jungtiere bringen können, die ebenfalls frei sind davon. Ist jedoch ein Partner als Erbträger identifiziert, ist diese Sicherheit nicht gegeben, im Gegenteil.

Für den verantwortungsvollen Züchter stellt sich heute die Frage, ob man dieses Erbübel ausmerzen oder ob man auf Dauer damit leben will. Der Zwinger VOM PETERSBERG will es jedenfalls nicht. Obwohl die Abstammung unserer Hunde keine Verbindung zu der fatalen holländischen Zuchtlinie aufweist, haben wir unsere Tiere testen lassen - der Sicherheit wegen.

Ergebnis:

Susetta ist frei
Ximena ist frei
Yeoman ist frei
Ypsilanti ist frei
Zinnia ist frei
Caesarion ist frei (beide Eltern frei)
Graziella ist  frei   
Hera  ist  frei   
Jella  ist  frei  (beide Eltern frei) 

 

Ximena und Ypsilanti haben zur Zeit jede einen Wurf. Der Rüde Bartok, der Ypsilanti gedeckt hat, ist ebenfalls getestet und frei. Das bedeutet, dass der Wurf aus Ypsilanti nach Bartok der erste Wurf im DLC ist, der aus zwei getesteten Elterntieren fällt, die beide nachweislich von der Erbanlage für die Bluterkrankheit frei sind.

Wir hoffen, dass sich viele Züchter recht bald entschließen werden, es ebenso zu machen. Dann könnte dieses Erbübel innerhalb von einer Generation beseitigt sein. Wenn nicht, wird das Testen wohl zur Dauereinrichtung werden. Das wäre dem Ruf der Rasse sehr abträglich und würde dadurch auch den Züchtern schaden.

Die Reihe dieser Beiträge zu Krankheitsbildern in der Rasse wird fortgesetzt.