Logo Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)Logo Fédération Cynologique Internationale (FCI)Landseer kennel from Petersberg since 1973

Breeder:
Mr. Dr. Hans Matenaar, Träger der Goldenen Ehrennadel des VDH sowie der Goldenen Ehrennadel des VDH mit Kranz
Mrs. Christa Matenaar, ebenfalls ausgezeichnet mit der Goldenen Ehrennadel des VDH sowie der Goldenen Ehrennadel des VDH mit Kranz

Founder of the Deutscher Landseer Club (DLC) e.V. (1976) as the oldest Landseer Club in the VDH and worldwide in the FCI


Das Zuchtprogramm des DLC


 

Das Zuchtprogramm des DLC wurde entwickelt von Prof. Dr. Walter Schleger aus Wien. Er sprach 1982 als Referent auf der Fortbildungsveranstaltung für die Zuchtleiter der VDH-Vereine in Stuttgart-Hohenheim. Dort erlebten mein Mann und ich seinen mitreißenden Vortrag über die Gefahren der Inzucht für die Rassehundezucht.

Die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch ergab sich erst später. Doch nachdem der Kontakt einmal hergestellt war, riß er bis zu seiner Emeritierung nicht mehr ab. Der Wiederaufbau der Landseerzucht im DLC wäre ohne seine Beratung nicht in so überzeugender Weise möglich gewesen. Die Landseer-züchter verdanken seiner Anleitung die positive Entwicklung ihrer Rasse.

Die Vorgehensweise, die er uns ans Herz legte, war als populationsgenetisches Langzeitprogramm konzipiert. Es hatte zum Ziel, der genetischen Verarmung entgegen zu wirken, die letztlich als die Ursache aller Fehlentwicklungen in der Rassezucht angesehen werden muß. Immer wieder stellte Prof. Schleger die Fitness ins Zentrum seiner Überlegungen. Die Fitness ist, so sagte er, am höchsten immer bei dem Tier, das mit der vollständigen genetischen Erbinformation ausgestattet ist. Das Gegenteil der Fitness ist die Inzuchtdepression. Inzucht bedeutet immer genetische Verarmung. Diese wirkt sich herabsetzend aus auf die Frohwüchsigkeit, die Fruchtbarkeit, die Leistung und die Vitalität. Gerade das aber gilt es züchterisch zu vermeiden.

Als mir unvergessliches Beispiel schilderte Prof. Schleger lebhaft die Sanierung der Lippizanerzucht in Österreich. Diese herrliche Pferderasse stand im Begriff auszusterben, denn es wurden mehr und mehr tote Fohlen geboren eine Folge der spitzen Inzucht auf die schönen Gänge. Die Lippizaner konnten mit Hilfe eines ausgeklügelten populationsgenetischen Zuchtprogramms gerettet werden, wenn auch gewisse Einschränkungen bei den schönen Gängen hingenommen werden mussten.

Ein ähnliches, wenn auch längst nicht so weit reichendes Programm schlug Prof. Schleger uns für die Landseer vor. Der DLC hat sich diesen Vorschlag zu eigen gemacht, und zwar mit großem Erfolg.

Das Zuchtprogramm betrachtet die Population der Landseer im DLC als Ganzes und legt der Sanierung diese ganzheitliche Betrachtungsweise zugrunde. Der einzelne Züchter arbeitet also in seinem Zwinger mit jeder Paarung, die er plant oder realisiert, an der Gesundung der Population mit.

Zu diesem Zweck werden die Ahnentafeln herangezogen. Sie sollten 5 Ahnengenerationen anzeigen, was beim DLC der Fall ist. Bei der Planung einer Paarung werden die Ahnen der in Aussicht genommenen Partner zu einer neuen Ahnentafel zusammengestellt mit ebenfalls 5 Generationen. Dann werden die Tiere gezählt, die doppelt oder gar dreifach auftauchen. Daraus wird der Ahnenverlustkoeffizient berechnet. Dieser Koeffizient zeigt an, wie viel Erbinformation für das neue Lebewesen tatsächlich zur Verfügung steht. Da ein und derselbe Ahne, der wiederholt vorkommt, nur ein und dieselbe Erbinformation besitzt, die er weitergeben kann, reduziert sich die mögliche Erbinformation um die Anzahl der Doppelungen in der Ahnentafel. Das züchterische Ziel ist aber die möglichst vollständige Erbinformation, wofür von den 62 Ahnen, die auf einer 5 Generation Ahnentafel erscheinen, tatsächlich 62 Individuen gebraucht würden. Es gibt aber nicht 62, sondern nur z.B. 57 verschiedene Namen auf der Ahnentafel. Dann teilt man 57 : 62 = 0, 919 Umgerechnet in Prozent, beträgt der AVK (Ahnenverlustkoeffizient) in diesem Fall 91,9% statt 100%.

Hat man den Ahnenverlustkoeffizienten errechnet, kann man auf der Tabelle, die im Institut von Prof. Schleger erstellt wurde, den ungefähren Inzuchtgrad ablesen, der mit dem Ahnenverlust korreliert.

Die genaue Berechnung des Inzuchtgrades wird nach der Formel von Wright durchgeführt. Dafür gibt es inzwischen Computerprogramme. Anfangs errechneten wir von Hand den AVK und bestimmten den Inzuchtgrad mit Hilfe der oben erwähnten Tabelle. Heute kann man beides, den IK sowohl als auch den AVK, vom Computer errechnen lassen. Der Inzuchtgrad sollte so niedrig wie möglich liegen. Rassehundezüchter sollten grundsätzlich 5% nicht überschreiten. Je niedriger der Inzuchtgrad liegt und je höher der Ahnenverlustkoeffizient ist, desto besser wird es um Gesundheit und Vitalität des geplanten Wurfes bestellt sein. Die Züchter des DLC haben sich selbst die Grenze gesetzt bei 3,5% Inzucht und 85% Ahnenverlust. Diese Zuchtpraxis hat den gezüchteten Tieren ungeahnt viel Gutes getan!

Man sollte aber nicht glauben, dass gute Werte bei unseren Landseerwürfen von heute schnell und leicht zu erreichen gewesen wären! Ganz im Gegenteil. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Die Bekämpfung von Ahnenverlust und Inzuchtgrad ist, wie bereits gesagt, ein ganzheitliches Programm. Es reduziert alle abweichenden, krankmachenden Merkmale unserer Hunde zur gleichen Zeit. Es bedarf keiner gezielten Selektion z.B. für gesunde Augen, oder gesunde Gelenke. Dominant in der Vererbung ist ja immer die normale, d.h. die funktionstüchtige Ausprägung des einzelnen Merkmals. Auf diese Weise hat sich die HD (Hüftgelenksdysplasie) bei den Landseern ebenso wie die Neigung zur Magendrehung, unter der die Landseer anfangs stark gelitten haben, erstaunlich schnell reduziert. Der korrekte anatomische Aufbau, den der Standard des Landseers verlangt, hat sich insgesamt stark verbessert. Ebenso die nervliche Belastbarkeit. Die Lebenserwartung hat deutlich zugenommen. Die Landseer stehen bei Tierärzten im Ruf einer sehr gesunden Rasse. Es heißt, sie seien noch gesund. Dabei ahnen die Tierärzte nicht, daß diese Gesundheit nicht ein noch, sondern ein wieder, nämlich ein Zuchtziel ist, woran die Züchter ständig arbeiten.

Zu diesem Zuchtprogramm gehört auch die Beschränkung der Deckakte, bzw. der Würfe pro Rüde pro Jahr. Nicht mehr als 10% des Nachwuchses eines Jahres sollte von einem Rüden stammen. Da der DLC seit etwa 1990 jährlich um die 30 Würfe in sein Zuchtbuch eingetragen hat, waren 3 Würfe pro Rüde pro Jahr die Obergrenze. Meistens wurden drei Würfe nur von einzelnen Rüden erreicht. Dadurch konnte nicht nur die Inzuchtbelastung allmählich abgebaut werden, sondern die Zuchtbasis verbreiterte sich auch, sehr zum Segen der Tiere und ihrer Besitzer.

Man sollte vielleicht noch darauf hinweisen, dass in den Zoologischen Gärten der Welt die aussterbenden Tierarten genau nach diesem Zuchtprogramm erhalten oder sogar wieder vermehrt werden. Überall bemüht man sich, der genetischen Verarmung entgegen zu wirken, d.h. eine möglichst vollständige Erbinformation wieder herzustellen. Das ist auch der Grundgedanke des Zuchtprogramms des DLC.

 

Königswinter, den 3. Oktober 2010

Christa Matenaar